Louis - 03.07.20 - Boxer Nothilfe Deutschland e.V.

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Louis - 03.07.20

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03.07.2020


Louis
geboren am 07.07.2009 - verstorben am 29.06.2020

   


Ein letztes mal noch möchte ich mich bei Ihnen melden.

In meinem letzten Brief hatte ich Ihnen ja schon von meiner Artrose berichtet die mich seit vielen Jahren quält.

In den letzten Monaten hat sich mein Gesundheitszustand stark verschlechtert, sehr viele weitere Baustellen taten sich gleichzeitig auf. So hat mein Tierarzt es beschrieben, auf Details möchte ich hier nicht weiter eingehen.

Nachdem die Therapien, verabreichten Medikamente und
Schmerzmittel keine Wirkung bei mir zeigten, habe ich meiner liebsten Familie bedeutet:

"Hey Ihr Lieben, wir haben gekämpft, können aber nicht mehr gewinnen.

Jetzt bin ich müde und es wird Zeit: ich möchte gehen. Helft Ihr mir dabei?"

Wie immer haben meine liebsten Zweibeiner mich verstanden.

So kam es, dass mich am 29.06. um 20:00 Uhr mein Tierarztfreund zuhause besucht hat.
Auch wenn mich das ein wenig verunsichert hat, habe ich mich sehr über seinen Besuch  gefreut. Wir beide kennen uns schon lange, war ja eigentlich längst überfällig, dass er auch mal zu mir kommt. Auf meinem Lieblingsplatz im Wohnzimmer haben wir alle es uns gemütlich gemacht und noch ein wenig rumgeblödelt.

Dann wurde es im Haus ganz still, ein keiner Pieks, das kannte ich ja schon. Ich höre noch die Worte von meinem Tierarztfreund: "Louis, du warst immer ein freundlicher sehr geduldiger Patient". Dann wurde es langsam dunkel um mich. Ganz friedlich und ruhig bin in den Armen meiner allerliebsten Menschen sanft entschlafen.

Sie müssen jetzt nicht weinen!

Nicht trauernd, sondern lachend sollen Sie sich an mich erinnern. Darum möchte ich Ihnen abschließend von einigen wenigen Dingen aus meinem wirklich schönen Leben erzählen.

Meine ersten 10 Lebensmonate waren nicht so knorke, wie der Berliner zu sagen pflegt. In Berlin habe ich diese erste Zeit verbracht, war nicht schön, das Kapitel überspringen wir einfach.

Das BNH-Team hat es geschafft mich "zu befreien" und in Berlin eine Pflegestelle für mich gefunden. Bei einer Rechtsanwältin! Ich durfte mit in die Kanzlei, An- und Abreise mit der U-Bahn inklusive, war schon aufregend.

Für immer konnte ich hier aber nicht bleiben. So haben Sie und das BNH-Team eine neue Familie für mich gesucht.

Im Juni 2010 war es dann soweit. In Kleinkoschen, wo die BNH eine Außenstelle unterhalten hatte, sollte "die Übergabe" stattfinden.

Es war ein heißer Junitag. Mit Pauken und Trompeten und einem großen Umzug wurde ich aus dem Ort geleitet, tolle Show. Ich war überzeugt davon: dieses Tamtam war nur für mich ganz alleine! Ungläubige behaupten, dort sei nur ein Dorffest gewesen, was für ein Quatsch.

Ich also rein in das Auto meiner neuen Familie und ab auf die Autobahn. 400 km Fahrt sollten vor uns liegen. Nach 45 Minuten Fahrt sind "meine Neuen" auf einen Parkplatz gefahren, kamen zu mir an den Kofferraum und fragten mich, ob alles in Ordnung sei? Hallo? Blöde Frage. Dabei habe ich es mir nur gemütlich gemacht und geschlafen, was sonst? Na ja, wir kennen uns eben noch nicht, aber das wird schon, dachte ich mir.

In meinem neuen Zuhause angekommen dachte ich mir: "Wuff, Jackpot"! Großes Haus mit großem eingezäunten Garten, umgeben von herrlicher Natur mit Feldern und Wäldern, Wiesen und Bächen und einem Fluss. Genau, wie ein 10-monatiger Boxerbub das so mag.

Die nächsten Tage nutzten meine Neuen und ich, um uns besser kennen zu lernen, und wieder: "Wuff, Jackpot"! Wir passten prima zusammen.

Irgendwann ging es auch ab, in die Hundeschule. Meine Manieren waren zwar schon ganz o.k., da war aber noch Luft nach oben meinten Herrchen und Frauchen. Was soll ich sagen? In der Schule war das richtig cool. Viele Spielkameraden zum tollen und toben.

Klar musste ich auch lernen und üben. Aber ich wäre nicht Louis, wenn es nicht auch einige "Einträge ins Klassenbuch" gegeben hätte, wegen Unruhestiftung. Ist eben manches mal der Clown mit mir durchgegangen, na und? So war ich eben.

Ich wuchs heran, kam auch in die Pubertät, habe aber nie über die Strenge geschlagen. Bald war ich vielerorts bekannt und beliebt: ein gerne gesehener Gast und Spielkamerad. Meine Familie war mächtig stolz auf mich.

Als mir bewusst geworden ist, das ich es richtig gut angetroffen habe, ist Sie mir über den Weg gelaufen: Amy, meine ganz, ganz große vierbeinige Liebe!

Das kleine süße Boxermädel auf einem der Bilder, das ist Amy.

Gemeinsam haben wir und unsere Menschen sehr viel, sehr schöne Zeit miteinander verbracht und so einiges erlebt.

Auch in den Urlaub bin ich mit meiner Familie gefahren. Im Sommer in die Berge nach Südtirol, im November und im Februar an die Nordsee auf die Insel Sylt, einfach klasse.

Immer hat sich meine Familie sehr gut um mich gekümmert. Extra für mich haben sie sogar neu gebaut. Ein Haus, ganz ohne Treppen. Die wussten wohl, das mich die blöde Artrose bald heimsuchen würde. Na ja, ein bisschen denke ich, haben meine Liebsten auch für sich selbst so schön gebaut.

Als diese Artrose schlimmer wurde, waren Wanderurlaube in den Bergen für mich nicht mehr möglich. Mein Frauchen hat am Rosengarten ein tolles Feriendomizil für uns gefunden. Ein Reiterhof, mit riesigem Gelände, mit Naturteich, ganz für uns alleine.

Gewandert bin ich dort dann nicht mehr, wir haben es uns aber trotzdem gut gehen lassen.

Mit der Zeit wurde es für mich immer beschwerlicher. Da haben meine Lieben beschlossen, den Sommerurlaub nur noch Zuhause zu verbringen. Klar haben wir es hier auch sehr schön. Sie haben es sich zwar nie anmerken lassen. Trotzdem glaube ich, war das für meine Familie schon eine Entbehrung.

Die Urlaube auf Sylt hingegen, mussten aber sein. Hier hatten wir auch ein Haus mit einem Garten, quasi wie Daheim. Meiner Familie zu liebe bin ich dann eben auch mitgefahren, eine Pfote wäscht schließlich die andere.

Wenn ich so an unsere gemeinsame Zeit zurück denke, fallen mir tausend Geschichten ein, über die ich berichten könnte. Ich schicke Ihnen dazu mal einige Bilder von mir mit.

Trotz allem hatte ich ein sehr, sehr schönes Leben mit einigen spannenden Begegnungen und  vielen schönen Momenten. Ich durfte die Bekanntschaft von vielen interessanten Zwei- und Vierbeinern machen.

Wenn ich jetzt von hier hinter der Regenbogenbrücke auf meine Menschen schaue, sehe ich wie meine Liebsten, die um mich trauern, leiden und auch weinen.

Ganz laut rufe ich von hier aus: "Hey, Ihr Lieben!  Um mich trauern ist total okay!

Zeigt es uns doch, wie tief unser gegenseitiges Vertrauen und wie innig unsere Liebe füreinander war."

Nur hören können Sie mich leider nicht, sehr schade.

So, jetzt ist aber Schluss und an der Zeit endgültig tschüss zu sagen, sonst wird noch ein Buch daraus!

Also machen Sie es gut, Ihr Louis (ehemals Floris).

Traurige Grüße,
Petra und Uwe Scholle





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