Teddy - 03.11.20 - Boxer Nothilfe Deutschland e.V.

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Teddy - 03.11.20

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03.11.2020


Teddy
  
(Mein erstes Jahr mit Dr. Jekyll & Mr. Hyde)



Liebes Boxernothilfe-Team,
liebe Leser,

ich möchte euch ein bisschen von meinem verrückten Jahr mit Teddy erzählen. Wo genau ich anfangen soll weiß ich gar und ob das ganze Jahr den Platz findet den es bräuchte ist auch fraglich, weil einfach so viel passiert ist.

Wir haben Tiefen durchlebt aber auch Höhen gehabt (die Höhen sind heute in der Überzahl) und sind jetzt an einem Punkt den ich mir am Anfang nicht vorstellen oder erträumen konnte.
Versuchen wir aber mal das ganze Jahr zu sortieren und auf den Punkt zu bringen.

Als Teddy zu mir kam hatte ich die Vorstellung von einem Hund der mich überall mit hin begleiten kann. Auf den Fussballplatz um meiner Mannschaft zu zu schauen oder in ein Kaffee um freunde zu treffen. Mir war bewusst das ich dafür Zeit investieren muss und ich wollte es auch aber meine Welt wurde erstmal komplett auf den Kopf gestellt.
Den ersten Besuch den wir tätigen mussten war der zum Tierarzt, weil Teddy schwer krank wurde. Den kompletten Winter konnten wir nicht wirklich viel machen. Spaziergänge waren maximal 3x am Tag 15min erlaubt. Nicht nur Teddy war damit nicht wirklich zufrieden auch ich nicht. Aber wir haben das beste aus dem Winter gemacht. In dieser Zeit wurde mir schon klar, dass Teddy nicht nur eine Leinenaggression hat, sondern Hunde generell scheiße findet und wir dadurch nicht mehr entspannt in unserer direkten Umgebung laufen gehen konnten.

Also habe ich uns bei einer Hundeschule angemeldet und wir haben versucht mit dieser Unterstützung an seinem Problem zu arbeiten. Leider gab es auch nach Monaten kein Fortschritt, so recht verstanden habe ich mich auch nicht gefühlt. Teddy wusste irgendwann schon auf der Fahrt wo es hingeht und wurde schon im Auto wild, sodass ein gezieltes Training gar nicht mehr möglich war. So habe ich uns wieder abgemeldet und wir machten allein weiter aber nur für eine gewisse Zeit wir sind heute wieder in einer Hundeschule angemeldet.

Meine Anfangszeit mit Mr. Hyde war geprägt von “Horrorspaziergängen“. Ich kam mir oft sehr hilflos vor. Nichts wollte funktionieren alles war spannender als ich, es wurde extrem viel gepöbelt und Teddy verhielt sich wie ein Duracell-Hase auf Droge. Meine Vorstellung vom schönen entspannten Wandern und den Frühjahrsrunden mit Spiel und Spaß waren verpufft. Nach solchen Spaziergängen saß ich noch Minuten lang im Auto und weinte. Ich hab mir mein Leben mit Hund definitiv anders vorgestellt. Es gab sogar Momente an denen ich daran dachte Teddy wieder zurück zu geben. Und ich finde es nicht schlimm darüber zu reden, weil solche Gefühle menschlich sind und die Kraft irgendwann aufgebraucht ist.

In diesen Momenten hat mich seine Trennungsangst dann besonders getroffen. Ja in der Anzeige war der Hinweis darauf und ja mir war bewusst, welche Probleme das sind und wie lange das dauern kann. Und ja ich will immer noch daran arbeiten und wir werden es schaffen. Aber Anfang bis Mitte des Jahres 2019, als ich eh schon durch diese ganzen “Horrorspaziergänge“ musste die mir den Magen umdrehten und dann nicht mal in ruhe einen Kaffee trinken gehen konnte und mal 20min wenigsten Abstand zu ihm gewinnen konnte, da hab ich angefangen ihn für das alles was er mir genommen hat zu hassen. Das heißt nicht, dass ich ihm keine Liebe schenken konnte. Im Gegenteil!! Das Sofa ist unser liebster gemeinsamer Platz und war es schon immer, hier existiert nur Dr. Jekyll. Es ist einfach eine andere Form von Hass. Ich denke die Personen die solche Momente erlebt haben können mir zustimmen.

Dank einer Person habe ich diese Gedanken und Gefühle zum Glück verworfen. Sie hat immer zu und gehalten und so viel ermöglicht, dass ich auch nur ansatzweise wieder in ein normales Leben komme. Dank Elke Dreier und ihren aufbauenden Worten und ihrer täglichen Unterstützung habe ich mich entschlossen weiter zu kämpfen. Ich wollte unbedingt einen Weg finden wie wir diese Tiefen gemeinsam durchstehen und sie am besten nie wieder so tief erleben werden. Sie hat immer etwas in uns gesehen was ich lange nicht sehen konnte und sie hat versucht es mir zu vermitteln, damit ich nicht aufgebe. Ich bin wirklich dankbar dafür in diesen Monaten und auch heute noch diese Person an meiner Seite zu haben die mir die Hand reicht wenn ich sie brauche.

Ich fing an unzählige Bücher zu wälzen um dort die Hilfe zu finden die ich brauchte um unseren Weg zu finden.
Aber so richtig hilfreich war das auch nicht. Klar man findet super Anregungen in solchen Büchern aber kein Buch sagt dir was der richtige Weg für dich und deinen Hund ist. Den musst du ganz alleine finden. Und mit Stolz kann ich heute sagen wir haben die ersten Schritte in die richtige Richtung gefunden.

Anfangs kannte Teddy keine Struktur, kaum Kommandos und spielen war für ihn ein Fremdwort. Heute geht nichts über seinen Ball. Ich muss ihn nicht 100mal schmeißen, er möchte ihn einfach nur tragen. Mit den Kuller-Ringen können wir richtig gas geben im Feld und der Futterbeutel ist auch ein gern gesehener Begleiter.

Ich habe endlich angefangen auf Teddy zu hören. Auch wenn ich am äußersten Rand von Freiburg wohne war bzw. ist es definitiv noch zu viel für Teddy. Es gehen einfach zu viele Hunde hier spazieren. Also setze ich mich 3-4mal täglich mit ihm ins Auto und wir fahren in die Wälder und Wiesen. Und wir lieben es. Hier können wir super zusammen arbeiten. Wir haben wundervolle Spaziergänge aber Disziplin und Training ist genauso in jedem Spaziergang enthalten. Teddy darf auch rennen gehen und der Rückruf ist super (ob Hunde unterwegs sind kontrolliere ich vorher, dann bleibt er an der Schleppleine).
Klar es läuft noch nicht alles rund und es gibt auch immer noch Momente wo ich ihn in der Luft zerreißen könnte aber wenn ich zurück blicke gibt es heute keine Sekunde mehr in der ich nicht daran glaube, dass wir es irgendwann schaffen aus der Tür zu gehen und in den Weinbergen direkt in der Umgebung spazieren zu gehen.



Kommen wir nun zu einer Kurzfassung des Erreichten.

Teddy hat mittlerweile sogar eine Freundin, die Hündin von Elke Dreier. Das sind so schöne Spaziergänge wenn wir alle zusammen unterwegs sind und wir uns austauschen über neue Erfahrungen und altes belächeln.

Im Auto kann Teddy schon fast eine Stunde allein sein. Dies gibt mir wirklich viel Freiheit und Zeit zum durchatmen. Daheim klappt es noch nicht so gut. Vielleicht tut er aber auch nur noch so, weil ich immer Sitter finde die gerne mit ihm in der Zeit kuscheln und Menschen liebt Dr. Jekyll über alles. Besonders Kinder. Er ist wie ein großer Bruder und super geduldig mit den Kindern. Er führt Kommandos auf diesen aus und wenn mein Neffe aus dem Kindergarten kommt freut er sich schon auf seine Runde verstecken oder Schnüffelteppich. Bei Kindern weiß er auch super seine Kräfte einzuschätzen, ein Hochspringen erlaubt er sich selbst nicht. Es ist super schön zu sehen wie toll er mit Menschen umgeht. Er hat ein richtiges Gespür für Probleme und wer Hilfe braucht. In diesen Momenten wenn man das sieht geht einem das Herz auf und man weiß, dass Teddy nur viel Hilfe braucht um seine Kraft und die Ungunst anderen Hunden gegenüber auf was anderes zu lenken. Im inneren ist er ein sanftmütiger Tollpatsch.

Am Ende möchte ich all denen die gerade an dem Punkt sind zu glauben sie schaffen es nicht etwas mit an die Hand geben. Dieses Zitat hat mir in meiner Fussballerkarriere schon sehr viel geholfen. Ich hatte es aus den Augen verloren aber heute ist es präsenter den je.
Du darfst zweifeln, schreien und weinen aber dann gehst du da raus und Kämpfst für das was du haben willst.
Euer Hund stand nicht mit gepackten Koffern vor der Tür und wollte bei euch einziehen. Ihr habt euch für ihn entschieden, also gebt euer bestes, dass euer Leben gemeinsam einen Weg findet und den werdet ihr dann finden.




Erwartet nichts von eurem Hund was ihr ihm nicht selbst beigebracht habt.

Das war mein erstes Jahr mit Dr. Jekyll & Mr. Hyde. Ein langes Tief mit den ersten Schritten steil Berg auf.

Liebe Grüße
Jobina & Teddy

P.S.
Heute ist Sonntag der 01.11.2020 und während ich das hier schreibe haben wir heute den nächsten Schritt gemacht. Ich bin so unendlich stolz auf uns. Wir sind aus der Haustür raus und in der direkten Umgebung spazieren gegangen. Hoch in die Weinberge direkt vor der Tür. Ok ja es hat wie Sau geschüttet und das bedeutet hier, dass kaum einer mit seinem Hund weiter als die vier Ecken geht. Aber Teddy muss seine Umgebung kennen lernen und das ist spannend genug für ihn auch ohne Hunde. Er hat es super gemacht. 3 Hunde waren dann doch auf Abstand aber er ist nicht ausgerastet. Das ist so unglaublich. Er ist super bei mir gelaufen und hat auch seine Zeit zum schnüffeln bekommen. Ich kann euch gar nicht beschreiben wie gut das tut.

Also glaubt an euch und kämpft für euren Traum mit Hund !





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