Sam - 06.06.19 - Boxer Nothilfe Deutschland e.V.

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Sam - 06.06.19

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06.06.2019
 


Sam ist nicht mehr da.



Liebes BNH-Team,

im Juni 2016 rief Frau Dengel bei uns an. Über drei Ecken hatte sie erfahren, dass ein weißer Boxer in einem Tierheim sitzt und kurz davor ist, sich aufzugeben. Der zehnjährige Sam wurde von seiner Familie kaltherzig abgeschoben und verstand die Welt nicht mehr.

Obwohl bereits die schwer misshandelte Boxerin Tara bei uns erst langsam wieder ins Leben zurückfand und der Notboxer Lord (mit 12,5 Jahren abgeschoben), der seine letzten Monate bei uns das Leben in vollsten Zügen genoss, erst vor wenigen Monaten verstorben war, sagten wir Frau Dengel zu. Bei brütend heißem Sonnenschein fuhren wir ca. 500 Kilometer zum Tierheim. Sam lag total niedergeschlagen in einem Zwinger. Wir gingen eine Runde Gassi und führten Sam dann mit Tara zusammen. Sam schien genau zu wissen: Verhalte dich ordentlich und dann hast du die Chance deines Lebens. Also, von Sams Seite her war alles geklärt. Wir waren allerdings auch sofort in ihn verliebt. Also, Papierkram erledigen, Sam in den Kofferraum unseres Zafiras, Tara auf die Rücksitzbank, sicher ist sicher, und los ging es. 500 Kilometer zurück. Die Sonne kannte kein Erbarmen. Der Straßenverkehr darum um so mehr. Ohne jeden Stau gelangten wir zurück an die Nordsee.

Sam genoss von der ersten Sekunde an dieses neue freie Leben auf unserem riesigen Grundstück. Und nicht nur das. Sam und Dörte waren von Beginn an unzertrennlich. Als weißer Schatten lief Sam rund um die Uhr mit Dörte zusammen, ohne Halsband, ohne Leine. Diese Liebe zwischen Dörte und Sam war und bleibt etwas einmaliges. Allerdings war Sam auch zu allen anderen Zwei- und Vierbeinern freundlich. Mit anderen Tieren spielen war nicht sein Ding. Frauchen reichte dazu vollkommen aus.

Dass Sam nicht alleine bleiben will, zeigte er uns ganz schnell und ganz deutlich. Nachdem er sich einige Tage eingewöhnt hatte, ließen wir ihn probehalber für eine Stunde alleine im Haus. Das war nicht nach seinem Sinn. Als wir zurückkamen, hatte Sam mehrere Türen zerkratzt und Fermacellplatten bis auf die Ständer zerbissen. Also, er blieb nicht mehr allein.

Es standen dann bald einige Operationen an. Geschwüre wuchsen und platzten. Sam nahm alles mit stoischer Ruhe hin.

Autofahren gehörte zu seinen absoluten Lieblingsbeschäftigungen. Unseren Minischweinen beim Futtern zu helfen, Ehrensache für Sam. Die Schweine ließen ihn gewähren. Es reichte immer für alle. Mit unserer Boxerin Tara hatte Sam nur wenige Wochen eine schöne gemeinsame Zeit. Ende Juli 2016 musste wir Tara über die Regenbogenbrücke gehen lassen.

Sam zeigte uns danach deutlich, dass er von nun an als Einzelprinz leben möchte. Wir erfüllten ihm diesen Wunsch. Sam war immer da. Er musste immer wissen, wo sein Frauchen war. Sam war einfach nur lieb!!! Sein Schnarchen konnte Wände beben lassen, für uns war es Musik. Wenn morgens der Wecker klingelte, war Sam sofort zur Stelle und wuselte um Dörtes Beine. Herrlich.

Ende 2017 kippte Sam unvermittelt um. Diagnose: Vestibularsyndrom. Wir befürchteten das Schlimmste. Doch Sam kämpfte sich zurück ins Leben. Wir gaben ihm wochenlang mit einer Spritze das Wasser zu trinken. Fressen konnte er schon bald wieder selbstständig. Die Kopfschiefhaltung blieb. Das störte jedoch weder Sam, noch uns.

Leider bekam Sam in den vergangenen Wochen immer häufiger schlecht Luft durch die Nase. Um dieses diagnostisch abzuklären, fuhren wir am Freitag, 31.05.2019 zur tierärztlichen Hochschule nach Hannover. Nach eingehender Untersuchung und Blutabnahme wurde von Sams Kopf und seiner Lunge eine CT durchgeführt. Das Ergebnis war niederschmetternd. Ein Tumor hatte Knochenteile in Sams Schädel bereits aufgelöst. Nach einem sehr einfühlsamen und ausführlichen Gespräch mit den Klinikärzten über die vorhandenen Möglichkeiten mussten wir erkennen: Behandlung aussichtslos. So ließen wir Sam dann schmerzlos über die Regenbogenbrücke gehen.

Sam wurde 12 Jahre und zehn Monate alt. Nun liegt Sams Körper auf unserem Grundstück begraben. Seine Seele ist im Boxerhimmel bei unseren anderen Notboxern Abjar, Toska, Spike, Alana, Sky, Lucky, Lord und Tara. Wir sind so traurig. Aber, liebe Frau Dengel, wir sind Dir so dankbar dafür, dass Du damals, als Sam in Not war, an uns gedacht hast. Ganz herzlichen Dank dafür, dass wir Sam durch Dich kennen lernen durften.

Der weiße Schatten fehlt.

Traurige Grüße,
Dörte und Volkmar




 
 
 
 
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